Meine Erfahrung mit Kerio Connect…


Es gibt Tage im Admin‑Leben, da denkt man sich: Vielleicht wäre Gärtner doch der bessere Beruf gewesen. Pflanzen beschweren sich nicht über Suchindizes, und Updates kommen höchstens in Form von Regen.

Meine Geschichte beginnt vor vielen Jahren, als ich meinen ersten Exchange 5.5 aufsetzte. Damals fühlten wir uns wie die Könige der IT‑Welt. Eine Plattform, die funktionierte, modern wirkte und uns das Gefühl gab: Wir haben’s im Griff. Dann kamen Exchange 2000, 2003, 2007, 2010, 2013, 2016, 2019… ein ganzes Leben lang Exchange. Man könnte sagen: Wir sind zusammen alt geworden.

Und dann kam Microsoft mit der Lizenzkeule. Kaufen? Nein. Mieten. Alles mieten. Für ein kleines Unternehmen mit etwas über zehn Leuten schlicht absurd. Software wird gekauft, nicht gemietet. Punkt. Ich will Ende Jahr wissen, was es kostet – und nicht jeden Monat eine Überraschung erleben wie bei einem schlechten Netflix‑Spin‑off.

Unsere ERP‑Software hat’s vorgemacht: 300 % Aufschlag, bei gleicher miserablen Leistung. SaaS – Software as a Service? Nein. Software as a Abzocke.

Also musste eine Alternative her. Office 365 war keine Option, unsere Infrastruktur hängt an Maschinen, Tools und Spezialanbindungen, die mit Cloud‑Magie nichts anfangen können. Also Google angeworfen: „Exchange Alternative Windows“. Die Auswahl war überschaubar: Kerio Connect oder MailEnable. Kerio sah moderner aus, ich kannte es von Bekannten, und mein Testsystem lief erstaunlich gut. Preis ok, Outlook‑Connector ok, Thunderbird ok, Kalender und Kontakte ok. Ich dachte: Hey, vielleicht wird das ja was.

Migration gemacht, Konten kopiert, alles lief. Die Outlook‑Suche war zwar eher ein Glücksspiel als eine Funktion, aber man arrangierte sich. Bis zum Update 10.0.9‑p1.

Ab da ging’s bergab.

Mitarbeiter: „Die Suche findet nichts mehr.“
Ich: „Ja, das ist jetzt ein Feature.“
Kerio: Funkstille.

Wochenlang. Dann wurde das Update zurückgezogen. Zurück auf 10.0.8‑p2. Danke für nichts.

Reddit füllte sich mit Beschwerden, niemand wusste irgendwas, Kerio schwieg. Irgendwann kam eine knappe Mail: „Sorry, Connector kaputt, wir arbeiten dran.“ Wir haben inzwischen Ende Juni 2026. Kein Update. Kein Fix. Kein gar nichts. Nur eine Meldung, dass man unter Umständen doppelte Mails von Gmail bekommt. Super. Genau das, was man braucht.

ActiveSync? Mal da, mal weg. Outlook‑Connector? Spielt Roulette. Suche? Ein Witz.

Und wir hatten noch Glück: Unser Server stürzt wenigstens nicht täglich ab wie bei den armen Leuten, die Kerio auf Ubuntu installiert haben.

Würde ich so ein Produkt empfehlen? Nein. Nicht so.
Schade um das Produkt. Gute Idee, nett gemacht… aber technisch eine unbrauchbare Katastrophe.

Und genau hier liegt der Punkt:
Kerio Connect ist eigentlich ein gutes Produkt. Die Idee ist solide, die Funktionen decken vieles ab, und für kleine Unternehmen wäre es eine echte Alternative zu Exchange.
Wäre.

Denn ohne verlässliche Updates, ohne klare Kommunikation und ohne funktionierende Suche verliert man Vertrauen. Und Vertrauen ist in der IT das, was Wasser für den Gärtner ist.

Würde ich Kerio empfehlen?
Im Moment eher nicht.
Aber ich hoffe, dass sich das wieder ändert – denn das Potenzial ist da. Es müsste nur gepflegt werden. Wie ein Garten eben.