Eine Resonanzgeschichte aus der Betriebszeit

Ich begann als Lehrling – mit Öl an den Fingern und einem Magnetband in der Hand. Der Kettendrucker dröhnte wie ein mechanisches Gedächtnis, die Buchhaltung roch nach Verantwortung. Bestellungen kamen per Fax, Telex oder Postkarte. Wenn’s eilig war, griff man zum Telefon. Teilelisten lagen auf blauen Mikrofiche – lesbar nur mit Licht, Geduld und Respekt.

Ich trug das Band ins Rechenzentrum. Kein Klick, kein Sync – sondern Gang mit Bedeutung. Preislistenupdates kamen per Post, immer zwei Bänder, eins zur Verarbeitung, eins zur Rückversicherung. Die Rücksendeetikette lag bei – mit dem Hinweis: „bitte frankieren“. Das war keine Bürokratie, das war ein stiller Vertrag der Infrastrukturpflege.

Das Internet? Das war noch Arpanet – ein ferner Mythos, nicht fürs Fussvolk. Wir arbeiteten mit seriellen Ports, mit Kommandozeilen, mit Geräten, die noch Geräusche machten. Die Systeme waren langsam, aber würdevoll. Alles hatte seinen Gang, gemächlich, überschaubar, ohne Hektik. Jeder Schritt hatte Gewicht. Jeder Ausdruck war ein Ereignis.

Dann kam der Bruch. Die Terminals wurden farbig, die Masken grafisch. Balken, Linien, Diagramme – plötzlich wollte das System etwas von mir. Statistikfunktionen tauchten auf. Ich meldete mich mit Kennung an – und wurde zählbar. Nicht mehr nur was ich tat, sondern wann, wie oft, für wen.

Das Jahresgespräch wurde laserformatiert. Diagramme statt Dialog. KPI statt Kaffee. Ich war nicht mehr nur Mitarbeiter. Ich war ein Datensatz. Ein Balken in der Auswertung. Ein Teil der Statistik des Betriebs.